Weihnachten unter Reduzierern

Es ist schon komisch. Weihnachten steht vor der Tür, Familie und Freunde erkundigen sich nach Wunschzettel und Geschenken, aber irgendwie ist die Liste noch leer. Oder die Dinge die einem evtl. im Kopf herumschwirren sind Großbaustellen, die sich nicht so leicht im Schuhkarton verpacken und unterm Weihnachtsbaum verstecken lassen.

Eigentlich ist es ein gutes Gefühl wunschlos glücklich zu sein. Ich bin froh und dankbar das behaupten zu können. Wieder einmal lenkt es den Blick aufs Wesentliche und man betrachtet das bevorstehende Fest aus einem anderen, weniger Konsum orientierten Blickwinkel.

Aber die Problematik: Deine Lieben freuen sich darüber, dir etwas schenken zu können und dir beim Auspacken zuzusehen. Und die gleiche Freude möchtest auch du verspüren, wenn du wiederum den dir nahestehenden Menschen ein für sie bestimmtes und speziell ausgewähltes Geschenk in die Hand drückst. Was also wünschen? Und was demnach schenken?

Was wünschen sich Reduzierer? Ein Rudel eierlegende Wollmilchsäue? Und was schenkt man anderen Reduzierern, die selbst eine leere Liste eingereicht haben? Wie sind eure Weihnachtspläne diesbezüglich? Was verschenkt ihr und was schreibt ihr auf euren W-Zettel?

Ich freue mich auf Weihnachten. Zuallererst auf das Fest an sich und die Botschaft die es vermittelt. Dann über das Zusammensein mit Familie und Freunden. Auch über Geschenke, mehr allerdings über das Schenken an sich.

9 thoughts on “Weihnachten unter Reduzierern

  1. Ich wünsche mir nichts zu Weihnachten, weil ich sowieso im Dezember Geburtstag habe und das reicht mir :D
    Mir und meinem Freund habe ich einen dringend benötigten neuen Tisch “geschenkt”, das reicht uns. Grundsätzlich verschenken wir nichts an Weihnachten, außer wir sind eingeladen. Dann sind es sich selbst vernichtende Geschenke, wie Edel-Trüffel oder Restaurant-Gutscheine.
    Letztlich war es einfach nur toll beisammen zu sein und mal durchzuatmen.

  2. Sich selbst vernichtende Geschenke finde ich auch super. Ich habe aber auch Respekt vor den Erwartungen anderer. Vor allem von Kindern. Ich halte nichts von Indoktrination meiner Ansichten in fremde Leben. Also schenke ich und lasse mich beschenken. Am Ende gebe ich Dinge gerne weg an Leute, die wirklich noch mehr Socken oder eine der Fleece-Decken meiner Oma gebrauchen können oder digitalisiere CDs und reiche sie weiter etc. Auch auf die Gefahr hin, viele Buh-Rufe zu ernten: Geld ist ein ziemlich tolles Geschenk. Es ist so flexibel, schenkt Freiheit, nimmt kaum Platz weg und ermächtigt den Beschenkten, seine eigenen Entscheidungen zu treffen.

  3. Das finde ich interessant mit dem Geld, Gilbert. Tatsächlich ist es das, was man wohl am meisten brauchen könnte. Und ich kenne keinen Menschen, der sich darüber nicht freuen würde. Vielleicht endet es dann aber einfach nur in einem “Umschichten.” Du schenkst mir Geld, ich schenke dir Geld … die Gleichung ist 0. Das ist dann irgendwie seltsam.
    Ich finde, man sollte vor allem sehr deutlich machen, was man NICHT haben will. (Beispielsweise: Schlafanzüge, Dekosachen die verstauben, Malzeug “damit ich endlich mal ein schönes Bild gemalt bekomme”).
    “Sich selbst vernichtende Geschenke” -> super! Müllen nicht die Wohnung voll. Da würde sich z.B. Essen anbieten. Nudelsoßen, ungewöhnliche Marmeladen, … Erlebnisgutscheine finde ich auch gut. Das ist dann eine andere Art von Konsum, die im besten Fall zur Persönlichkeitsentwicklung beiträgt. Ich habe schon einen Kletterkurs bekommen und ein “Dinner in the Dark” in einem komplett düsteren Restaurant, wo das Essen von Blinden serviert wird. Das war wirklich eine Erfahrung, die etwas in mir geändert hat. Ich war ja quasi auch blind und vollkommen überfordert mit der Dunkelheit, aber ich konnte mir danach vorstellen, wie Blinde die Welt wahrnehmen und wie sie sich orientieren.
    Also ich bin noch nicht an dem Punkt, an dem ich ohne Schenken und Geschenke Weihnachten verbringen will. Allerdings habe ich letztes Jahr nur Kekse verschenkt, weil die Uni zu stressig war, um sich ins Weihnachtsgetümmel zu schmeißen, und niemand hat es mir übel genommen.
    Dieses Jahr will ich nicht mehr als 100 Euro für alle Geschenke ausgeben, weil es anders nicht geht, und ich habe trotzdem schon tolle Sachen gefunden.
    Und auch als Minimalist “braucht” man doch Dinge, oder? Es geht immer mal was kaputt und muss ersetzt werden, nicht alle Bücher kann man in der Bücherei ausleihen, …

  4. was das eigene wünschen angeht… puh! darauf habe ich noch keine antwort und muss mir dringend was einfallen lassen. was das schenken angeht: ich liebe es menschen eine freude zu machen! und glücklicherweise fällt es nicht allen so schwer, ihren wunschzettel mit dem ein oder anderen buch, deko- oder gebrauchsgegenstand zu füllen.

    ansonsten versuche ich im vorfeld ein bisschen genauer hinzuhören. eine freundin, die damit begonnen hat, sich schritt für schritt eine fotowand zusammenzustellen und der aber noch ein gemeinsames bild fehlt. originelle marmelade, selbstgemachte pralinen oder im glas gebackener kuchen. man sieht, dass ich ebenfalls die sich selbstverzehrenden geschenke sehr schön finde. ; )

    geld zu verschenken fällt mir sehr schwer. ich finde es so langweilig und muss noch akzeptieren lernen, dass es für viele das einzige ist, womit sie etwas anfangen können. schließlich kann ich an weihnachten kein ganzes mountainbike, einen flachbildschirm oder sup verschenken. :P dazu fehlen mir eindeutig die rücklagen.

    bei der obigen zusammenstellung fällt mir auf, dass ich mich zum einen am meisten über die dinge, freue, die auch tatsächlich auf meinem wunschzettel stehen. (deswegen versuche ich auch dem wunsch “geld” der anderen nachzukommen) außerdem freue ich mich tierisch über dinge, die sich jemand anders selbst überlegt und in kreativer eigenleistung erstellt hat. letztes jahr waren es selbstgemachte topflappen oder auch ein selbsterdachtes und gestaltetes würfelspiel fürs reisen. grandios!! aber natürlich auch nur solange, wie man sie benötigt und nciht von allen freunden mit topflappen überschüttet wird.

    ach, ich finde es einfach schwierig. ich mag schenken! ich liebe weihnachten; nicht zuletzt aufgrund der hinter dem fest eigentlich liegenden bedeutung. doch das selbst beschenkt werden finde ich schwierig. irgendwie ist es ein grad zwischen: dankbarkeit und “unnützes zeug ansammeln”. bzw. undankbarkeit und freiheit. oder so ähnlich.

  5. Zum Thema Geld verschenken: wer es zu langweilig und einfallslos findet, kann sich ja bei der Verpackung austoben, z.B. eine Papierblume mit Geldscheinen als Blätter o.ä., das bietet sich vor allem an, wen der Beschenkte das Geld möchte, um sich einen grösseren Wunsch erfüllen zu können.

  6. Pingback: Was schenkt man Minimalisten? — Frau Ding Dongs Leben.

  7. gut zu wissen: minimalisten finden konsumorientierte weihnachtsgeschenke scheiße. finde ich auch.
    zum glück bin ich ja kein minimalist.

    ich finde weihnachten toll. auch wegen der geschenke. ich bekomme gerne welche (mit der einschränkung, dass ich sie “brauchen” kann und sie meinem quasi grundanspruch an “dinge” genügen. ich verschenke auch gerne dinge (vor allem an kinder). aber auch hier versuche ich, meine eigene philosophie in die geschenksuche mit einzubringen: kein massenschrott – sondern einzelstücke. handgemachtes. selbstgemachtes. etwas, was der person entspricht, die beschenkt wird. nichts ist lästiger als ein geschenk zu bekommen, was unnütz ist oder was man scheiße findet…

    @gilbert. man mag ja von geld halten was man will – so lange wir nicht in geldlosen systeme leben, ist es nun mal da und nutzbar. und (um auf die konsumdiskussion auf meinem blog zurück zu kommen): betrachte ich “geld” als “gespeicherte lebens- und arbeitszeit” – ist es doch auch ein tolles kompliment, geld zu bekommen: jemand schenkt mir eine materialisierte “energie” – ohne vorbehalte zu meiner freien verfügung. na, wenn das kein kompliment ist…

  8. Hey ey! Vielen Dank für eure zahlreichen Beiträge. Auch an Frau DingDong fürs retweeten und pingbacken! Ich habe einen Wunschzettel abgegeben mit ein paar Kleinigkeiten über die ich mich echt freue – und es fühlt sich gut an =)

    Außerdem wissen Freunde und Bekannte, dass ich Dinge die bspw. ausgelesen sind oder nicht mehr benötigt werden, gerne auch schon mal wieder unters Volk bringe. Ich denke bei Büchern, Comics oder Musik-CDs fühlt sich da keiner irgendwie persönlich angegriffen oder verletzt.

    @Peter: Geld als gespeicherte Lebens- und Arbeitszeit find ich sehr kewl. Geldgeschenke sind für den Schenkenden oft glaube ich allerdings nicht so toll, wegen dem Überraschungseffekt beim Auspacken. Trotzdem freue ich mich auch immer über Geld, um irgendwann mal die Anschaffungen tätigen zu können, die nicht untern Baum passen.

    Wie dem auch sei. Geschenke sind ja nicht alles… =)
    Frohe Vorweihnachtszeit euch!!

  9. Wir haben uns dieses Jahr von meiner Schwiegermutter selbstgekochtes Essen zum Einfrieren gewünscht. Wir lieben gutes Essen, gleichzeitig ist im Alltag das Einkaufen + Kochen ziemlich zeitaufwändig. Am Samstag haben wir dann etwas verfrüht zwei riesige Töpfe leckersten Essens bekommen – das war super!!! Ich freue mich jetzt schon auf die Mittagspausen mit dem Schwiegermutter-Essen!

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